Blick in die Geschichte von Rüdenau

Am 3. Mai des Jahres 1285 schenkt der Ritter Wipert Rüd von Rüdenau Zehnteinkünfte in Gönz und Weckbach dem Kloster Amorbach. Zu diesem Zeitpunkt bestand also bereits das Dorf, das bis 1635 im Besitz der Familie Rüd blieb. Diese niederadelige Familie findet sich um 1200 in der auf den Trümmern eines großen römischen Kastells gegründeten fränkischen Stadt Wallhausen.

Die Rüden waren dort als Gerichtsherren und militärische Führer im Auftrag des Pfalzgrafen in dem Hundertschaftsbezirk, der Cent Wallhausen tätig. Sie ließen das nahe quellenreiche Odenwaldtal roden, gründeten eine Siedlung, der sie ihren Namen gaben legten den Sommerberg zu Weinbergen an, erbauten einen Fronhof an der besten Flurlage der landwirtschaftlich wenig ergiebigen Böden und hatten nun vor allem jederzeit Treiber für ihre Jagd m den herrlichen Wäldern der Umgebung. Fast noch wichtiger bei der damaligen Jagd mit Speer und Dolch war eine Meute guter Jagdhunde. Den Kopf eines Jagdrüden mit einem Stachelhalsband zum Schutz gegen wehrhaftes Wild setzten die Rüden in ihr Wappen ein und er ziert auch das Rüdenauer Gemeindewappen.

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Wallhausen lag am Main und am Schnittpunkt alter Wege und Straßen. Es gewann ständig an wirtschaftlicher Bedeutung. Um 1247 gelang es dem Mainzer Erzbischof die Stadt zu bekommen, zu zerstören und die wirtschaftlichen Rechte auf seine neue Stadt Miltenberg zu übertragen. Die kirchlichen Rechte gingen nach Kleinheubach, die Rüden übernahmen neue Aufgaben z.B. in Bödigheim und Collenberg, behielten aber Rüdenau.

Dort stand wohl um 1300 schon ein Chorturm in einem ummauerten Friedhof. Ein Kaplan der Mutterkirche Kleinheubach war Seelsorger. 1497 wurde ein Kirchenschiff angebaut. 1556 wurde Kleinheubach evangelisch, damit auch Rüdenau, das aber 1635 von Mainz wieder zur katholischen Kirche zurückgeholt und nun von Miltenberg aus seelsorglich betreut wurde. Zur gleichen Zeit hatte Mainz das Erbe der erloschenen Collenbergischen Rüden-Linie und damit auch Rüdenau übernommen. 100 Jahre zuvor hatten die Rüden dem Dorf ein eigenes Gericht mit einem Galgen gegeben, das auch für Bullau zuständig war. Das Richtschwert im Ortswappen zeugt davon. 1821 wurde Rüdenau durch die Stiftung der Familie Bischof aus Miltenberg zusammen mit Bullau eine selbständige Pfarrei.

Mit zunehmender Bevölkerung - 1792 waren es 328 Einwohner, 1832 schon 432 - reichten die kleinen landwirtschaftlich nutzbaren und zumeist wenig ertragreichen Flächen nicht mehr aus. Die Einführung der Kartoffel brachte eine Verbesserung und die großen umliegenden Wälder wurden durchkämmt nach allem, was man essen, dem Vieh verfüttern, im Stall verwenden oder im Herd verbrennen konnte. Jede Arbeit als Taglöhner war recht, wenn man nur etwas Geld verdienen konnte. Trotzdem war Rüdenau eine der ärmsten Gemeinden der Gegend. Daran änderte sich auch nichts, als 1803 der Staat Mainz aufgelöst und das Dorf zum Haus Leiningen,1806 zu Baden,1810 zu Hessen und 1816 zum Königreich Bayern kam. Bei der Revolution 1848 wurden die Rüdenauer mit verschiedenen Protesten aktiv, letztlich aber erfolglos.

Die Situation wurde erst besser, als im Maintal Arbeitsplätze in der Industrie entstanden, welche die fleißigen Rüdenauer auf beschwerlichen Fußwegen, später mit dem Fahrrad erreichen konnten. Nach 1900 - das Dorf hatte nun rund 500 Einwohner - war die Not überstanden, nicht zuletzt wegen guter Holzverkäufe für Bergwerke und Bahnbau. Die Gemeinde konnte Flur- und Waldwege ja sogar ein stattliches Schulhaus bauen. Der Weltkrieg 1914-18 und die folgende Weltwirtschaftskrise brachten einen schweren Rückschlag: 16 Gefallene, viele Tote bei der Grippewelle 1918, Auswanderung von 17 jungen Leuten nach Nordamerika, Arbeitslosigkeit. Trotz hoher Geburtenzahlen stieg die Einwohnerzahl bis 1939 auf nur 555, von denen 47 im 2. Weltkrieg ihr Leben verloren.

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Wenn 1950 646 Bewohner gezählt wurden, kam das durch den Zuzug von Heimatvertriebenen in das vom Krieg nicht beschädigte Dorf. Die Neubürger waren bald integriert, vor allem im regen Vereinsleben. Der Wiederaufbau Deutschlands brachte Vollbeschäftigung und damit Geld. Rüdenau, das bisher sein Wasser aus 3 Dorfbrunnen bezog - sie sind im Ortswappen durch Wellenlinien symbolisiert - baute eine zentrale Wasserversorgung und konnte nun neue Wohngebiete erschließen. In einer herrlichen Landschaft, frei vom Durchgangsverkehr mit einem gepflegten Dorfbild - mehrfach unter den Siegern im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden" - und einem funktionierenden Dorfleben ist Rüdenau eine attraktive Wohngemeinde geworden. 2014 zählt sie 751 Einwohner und arbeitet seit 1978 mit Kleinheubach und Laudenbach in einer spannungsfreien Verwaltungsgemeinschaft. Ein Besuch des Dorfes ist sicher auch für Sie interessant.